Verständnisproblem

Vor ein paar Tagen habe ich es bei Mairlynd gelesen, und gestern bei Frau Löwenkind: „Vom Paar mit Kind zur Familie“…. und es befremdet mich ein wenig. Ist man als Paar mit Kind keine Familie? Wo liegt der Unterschied? So wie das geschrieben ist, klingt es wie ein Schritt den man vollzieht, der eine Haus- und Lebensgemeinschaft von etwas unvollständigem oder nicht so ganz gutem/richtigem in etwas Vollständiges, Gutes verwandelt. Wo soll der Unterschied sein? Sollten Eltern nicht immer auch ein Paar mit Kind sein, also neben ihrer Eigenschaft als Eltern auch noch ihre Eigenschaft als Partner behalten? Gibt man als Teil eines (Liebes-)Paar beim Eintritt in die Elternschaft die Eigenschaft als Partner ab, und wird dadurch nur noch Vater oder Mutter? Oder wie kann man so eine Aussage verstehen?

Es lässt sich darüber diskutieren ob einem Paar ohne Kind etwas fehlt oder nicht, aber dennoch bleibt ein Paar mit Kind doch zuallerst einmal das: ein Paar mit Kind. Zumindest sollten sie es bleiben, denn wenn ein Paar einmal nicht mehr ein Paar ist, sondern nur noch Vater und Mutter – was wird dann aus der Familie, aus dem Kind? Sollte man nicht als Elternteil auch die Verpflichtung gegenüber sich und den anderen Familienmitgliedern haben, dafür zu sorgen dass die der Familie zugrunde liegende Partnerschaft & Liebe weiterhin besteht, und neben all dem ganzen Alltag am Leben bleibt? Wie viele Familien gehen jährlich auseinander, weil das Paar mit Kind eben kein Paar mehr ist?

Ich bin Mutter einer dreijährigen Tochter, die ich sehr liebe. Ein Leben ohne sie kann und will ich mir nicht mehr vorstellen. Dennoch weiss ich die gelegentlichen Auszeiten von der Elternschaft (die wir uns dank liebevoller Grosseltern für das Mäuseherz auch nehmen können) mehr als zu schätzen, weil sie uns Gelegenheit geben, unsere Partnerschaft zu pflegen. Weil wir uns Zeit nehmen können, uns auf unsere Liebe und Freundschaft zu besinnen, die im Alltagstrott und -stress mitunter zu kurz kommen, und die doch erst die Grundlage für unsere Familie bilden. Weil ich in diesen Zeiten mir auch bewusst machen kann wie schön es ist ein Paar mit Kind, mit unserem Kind, zu sein und wie sehr die Prinzessin unser Leben bereichert.

Für mich klingt diese Formulierung „..vom Paar mit Kind  zur Familie…“ abwertend. Ich bin nicht nur Mutter, ich bin auch Partnerin und Ehefrau meines Mannes. Deshalb sind wir ein Paar mit Kind. Natürlich sind wir auch eine Familie. Aber wir bleiben ein Paar.

(Ich unterstelle keinesfalls den oben genannten dass sie es so gemeint haben wie ich es hier ausführe. Die Formulierung ist mir einfach aufgestossen 😉 )

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2 Antworten to “Verständnisproblem”

  1. Mairlynd Says:

    Abwertend war das natürlich nicht gemeint. Und ich finde auch gar nicht, dass man in einer Familie automatisch nur noch Mutter ist und kein Platz mehr für die Partnerschaft bleibt.

    Aber ich frage mich tatsächlich, ob sich irgendetwas ändern wird, an unserem Familiengefühl, so nenne ich es jetzt einfach mal, wenn das zweite Kind zur Welt kommt. Ich benutze zwar häufig das Wort Familie, wenn ich über uns drei spreche, aber wenn ich richtig darüber nachdenke, fühle ich das (noch?) nicht so ganz.

    Vielleicht liegt es daran, wie ich mich an meine eigene Familie, an meine Kindheit erinnere. Aus der Sicht eines Kindes gibt es ja kaum etwas Umfassenderes, kaum etwas, was mehr Rahmen gibt, als die eigene Familie – Mama, Papa, Geschwister. Das ist die eigene, kleine Welt und sie ist so vollständig, sie wirkt so sicher und so komplett.

    Diese Perspektive hat man als Erwachsene irgendwie nicht mehr. Es gibt, neben dem Familienleben, den Job, die Freunde, andere Verwandte, Sorgen und Nöte, den Alltag – kurz, einfach tausend andere Dinge, die ihren Platz einfordern. Und so ist die eigene Familie vielleicht ein schöner Zufluchtsort, der Mittelpunkt des Lebens, aber eben nicht das Leben allein.

    Vielleicht wirkt also diese andere Sicht, die ich als Erwachsene nun habe, so, dass ich uns noch nicht als vollständig empfinde.

    Oder es liegt daran, dass unser Kinderwunsch mit dem zweiten Kind (vermutlich) noch nicht zu Ende ist und es auch nach Milenas Geburt schon nicht war. Ich warte, irgendwie… ich fühle mich nicht komplett. Das ist nicht schlimm, überhaupt gar nicht, aber es ist irgendwie eine Art Zwischenphase. Die durchaus auch mehrere Jahre dauern kann.

    Ich habe schon öfters von Frauen gehört, dass sie sich in ihrer Familie irgendwann komplett gefühlt haben. Das Gefühl, dass man nun „fertig“ ist, dass die Familie vollständig ist. Das fehlt mir halt derzeit noch gänzlich. Vielleicht stellt es sich irgendwann ein?

    Ich bin also weiterhin gespannt – sowohl auf das neue Kind und alles, was ein neues Leben so mit sich bringt, aber eben auch auf die Auswirkungen auf unser gemeinsames Leben, unser „zu viert sein“. 🙂

  2. loretta Says:

    Ach, das Du es nicht abwertend gemeint hast weiss ich, bzw. war mir dessen sehr sicher. Ich habe nur gemerkt wie ich beim Lesen über diese Formulierung gestolpert bin, und wie sie mich auch noch Tage später nicht losgelassen hat.

    In Verbindung mit dem weiteren Kinderwunsch wiederum kann ich mir das gut vorstellen. Da hat man dann ein bestimmtes Familienbild im Kopf, und da fehlt dann natürlich wirklich noch was – zumindest kann ich mir das so vorstellen.

    Bei mir fühlt sich das irgendwie anders an. Als Kind in einer Grossfamilie mit 6 direkten Onkeln und Tanten, derselben Anzahl angeheirateter und 5 weiteren Kindern kam ich sehr schnell zu der Erkenntnis dass Familie nicht unbedingt etwas tolles sein muss. Als Jugendliche habe ich mein Verständnis der Familie bereits umgearbeitet: Familie waren für mich die, die mir am nächsten standen, nicht die dir mir das Blut diktiert hat (auch wenn ich das natürlich nie so kommuniziert habe ;-))

    Ich bin in einer Beziehung mit einem Mann der bester Freund, Saufkumpan, Liebster und vieles mehr ist. Ich hab ihn mir ausgesucht, und er ist meine Familie. Das Mäuseherz habe ich mir auch „ausgesucht“. Deshalb vervollständigt sie unsere Familie nicht, sondern ergänzt und erweitert sie. Ein weiteres Kind würde genau dieses machen: eine bereits perfekte, vollständige Familie erweitern. Oder noch perfekter machen :-D.

    Aber deshalb kann ich zumindest keinen Schritt vom Paar zur Familie machen, weil die Partnerschaft bereits meine Basis und Kernfamilie ist. Und ein Schritt zu etwas hin ist per definitionem immer auch ein Schritt von etwas weg.

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